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Hexenverbrennung: Kirche kassiert seit 430 Jahren die Stadt Trier ab  

Am 18. September 1589  wurde ein angesehener Trierer Bürger als angeblicher Hexenmeister gerichtet und anschließend verbrannt. Das Hab und Gut des Mannes an ging damals sozusagen mit allen Aktiva und Passiva an die Kirche in Gestalt des Kurfürsten und Erzbischofs Johann VII. von Schönenberg (* 1525; † 1. Mai 1599) über. Noch heute besteht die Kirche darauf, dass die Stadt ihr Geld aus diesem Prozess schulde.

So fordert die Pfarrei Liebfrauen in Trier  noch heute von der Stadt Geld für die Verbrennung eines Hexenmeisters. Versuche der Stadtverwaltung, die Zahlungen einzustellen, waren bislang fruchtlos – die Kirche beharrt nach wie vor auf die Zahlung von derzeit 362,50 Euro jährlich.

Und so begründete die Kirche ihren Anspruch:

1589 wurde der damals 55-jährige Uni-Rektor und Bürgermeister Dr. Dietrich Flade (* 1534 in Trier; † 18. September 1589) auf dem Trierer Hinrichtungsplatz im heutigen Trier-Euren als Hexenmeister verbrannt. Als angesehenem Bürger wurde ihm eine Gnade erwiesen: Der Henker strangulierte Flade, bevor er auf den Scheiterhaufen kam, sodass er nicht die Schmerzen des Verbrennungstodes erleiden musste. Dieses Verfahren war bei geständigen »Hexen« üblich. Auch Flade hatte seine Untaten »zugegeben« – er gestand alles, was man ihm vorwarf, unter Folter.

 

Kirche bereicherte sich an den Verfolgten

Das gesamte Hab und Gut der Verfolgten fiel damals dann an die Kirche in Gestalt des oben schon erwähnten Kurfürsten und Erzbischofs Johann VII. von Schönenberg. Der Zufluss durch den Besitz der verfolgten Hexen und Hexenmeistern sorgte damals für steten Nachschub. Auch wenn viele Romane implizieren, wurden keineswegs nur arme Kräuterfrauen aus religiösem Irrsinn verfolgt. Bei ihnen war für die Kirche schließlich nichts zu holen. So kam es zur Anklage auch von gut situierten Personen.

Hexenverfolgungen fanden meist in Form von Wellen statt: Gerade in wohlhabenden Städten wie z.B. Trier war es typisch, dass zunächst »Außenseiter«  gefoltert, angeklagt, verurteilt und verbrannt wurden. Um Geld in die chronisch leeren Kassen zu schaufeln wurden dann vermehrt  Angehörige der wohlhabenden Oberschicht angeklagt und gerichtet.

Flades Eigentum wurde also eingezogen. Dazu gehörte auch die Forderung von 4.000 Talern, welche die Stadt Trier dem wohlhabenden Hingerichteten noch schuldete. Und genau für dieses Geld muss Trier nun schon seit über 400 Jahren jedes Jahr Zinsen zahlen.

Flade selbst war durchaus kein Unschuldslamm. Er war vorher sogar an den schrecklichen Prozessen beteiligt. Bevor er denunziert wurde, hatte er an vielen Gerichtsverfahren mitgewirkt, bei denen gänzlich unschuldige Frauen gefoltert und ermordet wurden.

Darstellung des Inquisitionstribunals durch Francisco Goya

Im Jahr 1582 gab es ein Gerücht in Trier: Um der Inquisition in Saarburg zu entgehen, seien zahlreiche Hexen aus der Umgebung von Saarburg in die Stadt Trier geflüchtet. Bei den Prozessen sollen, wohl um einen günstigeren Prozessverlauf zu erreichen - unter Folter - auch die Namen von Trierer Bürgern genannt worden sein.

Dietrich Flade tat sich damals besonders hervor, diese Spießgesellen des Teufels zu »entlarven«. Einer der ersten Prozesse richtet sich gegen eine ältere Frau. Diese Frau, Margarethe Braun,  verdiente ihr Geld als Wäscherin und stand unter dem Verdacht, als Kupplerin die Unzucht zu fördern. Bei der ersten – gewaltlosen – Befragung durch Flade wollte sie die Hexerei nicht gestehen. So wurde die arme Frau auf Anordnung Flades sieben weitere Mal gefoltert, ehe sie gestand.

 

Flade selbst war, ohne es zu ahnen, das perfekte Opfer 

Dietrich Flade rechnete wohl nicht damit, bald selbst einmal in die Hände seiner Henker zu fallen. Dabei war er ein prädestiniertes Opfer.

Flade hatte einen unglaublichen Aufstieg hinter sich. Er galt als einer der mächtigsten und reichsten Männer der Stadt Trier. Zum Nachteil gereichte ihm, dass er  weder Freunde noch Verwandte in der Oberschicht hatte.

Flade galt als habgierig und korrupt. Er war bei seinen zahlreichen Schuldnern verhasst. Bürger, Bauern, die Stadt, der Kurfürst – alle schuldeten ihm Geld.

Als immer wieder sein Name nun in den Geständnissen der Hexer und Hexen genannt wurde, konnte er sich nicht mehr retten. Schnell galt Flade als oberster Hexer, als Giftmischer und Zauberer, der Unwetter heraufbeschwören konnte, um dann an der Verknappung des Getreides zu verdienen.

Recherchen des Regionalfernsehsenders »SWR« deckten auf, dass der Stadtrat selbst im Jahr 2009 die Zahlungen thematisiert habe. Die begünstigte Pfarrei Liebfrauen in Trier soll aber darauf bestanden haben, dass ihr weiterhin die Erträge aus den Hexenprozessen zufließen sollen. Entgegenkommend habe man sich geeinigt, dass das Hexer-Geld ausschließlich sozialen Zwecken zu Gute kommen solle. Derzeit wird es für die Obdachlosen-Hilfe verwendet. 


Quellen: Damals.de,  SWR.de, wikipedia.org