Grossregion SaarLorLux
 Website Thomas Abel

Die römische Villa Borg

alle Fotos auf dieser Seite: vergrößern durch anklicken, Foto: Tobias Nettekoven Fotografie

Die Villa Borg befindet sich zwischen den Dörfern Borg und Oberleuken in der Gemeinde Perl und zählt zu den bekanntesten und größten römischen Villenanlagen im Saar-Mosel-Raum. Sie war ein Großgehöft in der Organisationsform einer »villa rustica« (römisches Landgut mit Hauptgebäude und mehreren Wirtschafts- und Nebengebäuden).


 Grabungsgeschichte

Der Bevölkerung der umliegenden Dörfer war die Siedlungsstelle bei Borg, welche später den Namen »Römische Villa Borg« tragen sollte, schon immer bekannt. Sie wurde über Jahrhunderte als Steinbruch genutzt. Aber erst der Lehrer Johann Schneider aus Oberleuken interessierte sich für die Geschichte dieses Platzes.

Um 1900 führte er kleinere Grabungen durch und stellte den römischen Ursprung des ausgedehnten Trümmerfeldes fest.

Foto: Tobias Nettekoven Fotografie

Durch die beiden Weltkriege gerieten die Forschungen Schneiders weitgehend in Vergessenheit. Es verging über ein halbes Jahrhundert, bis diese Stelle bei Borg wiederum die Aufmerksamkeit der Wissenschaft auf sich zog.

Ausgedehnte Raubgrabungen drohten aber das Bodendenkmal derart zu zerstören, dass sich das damalige staatliche Konservatoramt, Abteilung Bodendenkmalpflege, veranlasst sah, eine planmäßige Ausgrabung durchzuführen.

Die archäologischen Untersuchungen begannen am 1. April 1987 mit der wissenschaftlichen Zielsetzung der »Erforschung einer geschlossenen römischen Siedlungseinheit im nordwestlichen Saarland mit modernen Methoden«. Diese Grabungen dauern bis heute an und werden auch in Zukunft fortgeführt. 


Forschungsgeschichte

Die »Römische Villa Borg« liegt auf den Anhöhen zwischen Saar und Mosel zwischen den Perler Ortsteilen Borg und Oberleuken - einem der ältesten Siedlungsgebiete des Saarlandes.

Hier, im Dreiländereck von Frankreich, Luxemburg und Deutschland, sind allein aus der römischen Zeit über 50 Fundstellen bekannt, was auf eine hohe Besiedlungsdichte und somit ein engmaschiges Netz von kleineren und größeren Villen hindeutet.

Ein weiteres bedeutendes Beispiel ist die 1852 zufällig entdeckte und in mehreren Grabungskampagnen freigelegte Villa von Nennig mit ihrem »Mosaikfußboden«.

Foto: Tobias Nettekoven Fotografie

Das Villengelände der Villa Borg erstreckt sich auf einer kleinen Kuppe über ein Areal von circa 7,5 Hektar. Die Villa liegt unmittelbar an der bedeutenden römischen Fernstraße von Metz nach Trier, einem Teilstück der großen Verbindung zwischen Marseille und Köln.

Für die Archäologie war es ein Glücksfall, dass die Fundstelle seit der Antike weder landwirtschaftlich genutzt noch in nachrömischer Zeit überbaut worden ist. Dadurch sind ein Großteil der antiken Befunde erhalten geblieben.

Im Verlauf der Ausgrabungen in der Villa Borg kamen neben römischen auch immer wieder keltische Funde zum Vorschein Die Vermutung einer ununterbrochenen Besiedlung des Platzes von der Spätlatènezeit (Latène D2 – etwa 85 bis 25 v. Chr.) in die römische Kaiserzeit liegt deshalb nahe.

Allerdings ließen sich die Funde zunächst nicht mit konkreten vorrömischen Siedlungsspuren in Verbindung bringen.

Bald kamen aber auch die Reste von Holzgebäuden zutage (in Form von noch vorhanden Pfostenlöchern und Fundamentgräben), die sich eindeutig in die Latènezeit datieren lassen.

Diese Holzbauten wurden (zu einem noch nicht eindeutig zu bestimmenden Zeitpunkt) im 1. Jahrhundert v. Chr. erbaut und, wie keramische Funde beweisen, bis in die frühe Römerzeit hinein benutzt.

Das erstaunlich beharrliche Festhalten am angestammten Platz war für die Errichtung von Steinbauten eher ungünstig. Doch der eindeutige Bezug der späteren Architektur auf die frühen Baubefunde legen die Annahme einer Besitzkontinuität (kontinuierliche Besiedlung und Bebauung des Platzes durch eine Familie) nahe.

Die Geschichte der landwirtschaftlichen Siedlungsstätte begann in der späten Latènezeit und reicht somit mindestens bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. zurück und endet erst ca. 400 n. Chr.. Nach dieser Zeit ist an dieser Stelle nicht mehr gesiedelt worden. Die Ruinen waren teilweise bis in die Gegenwart mit Wald bedeckt und sind noch in großem Umfang in der Erde erhalten geblieben. 

Foto: Tobias Nettekoven Fotografie

Das Gehöft, das schon in seiner keltischen Frühphase im Besitz einflussreicher und wohlhabender Agrarproduzenten gewesen sein dürfte, überdauerte also rund 500 Jahre. Seine Bauhistorie reflektiert folglich bedeutende geschichtliche Ereignisse, wie die Eroberung Galliens durch Julius Caesar (57–53 v. Chr.), die »Romanisierung« der Kelten, den Aufstieg Triers (Augusta Treverorum) im Römischen Reich und den Zerfall der römischen Herrschaft zur Zeit der Völkerwanderungen. 

Auf spätkeltische Holzpfostenhäuser folgten zunächst frührömische Fachwerkbauten. Ab dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. wurde Stein als Baumaterial für größere und repräsentativere Gebäude verwendet. Bis zum Wüstfallen der Siedlung um 400 n. Chr. wurde die Anlage mehrfach renoviert, ergänzt, umgebaut. Zum Teil wurden die Gebäude auch umgenutzt. Die frühen Holzbauten konnten die Archäologen anhand von Erdverfärbungen unter den Steingebäuden nachweisen. Spätantike Münzen, Glas und Keramik belegen, dass die Villa bis zum Beginn des 5. Jhdt. n.Chr. bewohnt war.


Rekonstruktion der Villa rustica

Die Untersuchungsergebnisse führten 1994 zu dem Beschluss, den herrschaftlichen Wohnbereich der »villa rustica« zu rekonstruieren. Man orientierte sich an den Grabungsbefunden und dem damaligen Stand der Forschung über die römische Villenarchitektur. Ziel war es, die Anlage so zu rekonstruieren, wie sie zur Blütezeit der Villa Borg um 200 n. Chr. ausgesehen haben könnte.

Foto: Tobias Nettekoven Fotografie

Die Villenanlage erstreckte sich über eine Gesamtfläche von rund 7,5 ha. An den ca. 1,8 ha messenden herrschaftlichen Wohnteil des Gehöftes (»pars urbana«) schloss sich, durch eine Mauer und ein mächtiges Torhaus getrennt, der knapp 6 ha große Wirtschaftsteil (pars rustica) an, der ebenfalls von einer Mauer eingefasst war. 

Er war rund 400 in lang und 150 m breit und durch eine Toranlage von der westlich vorbeiführenden römischen Fernstraße Trier-Metz her zugänglich. An die Umfassungsmauer waren außen weitere 14 bisher noch nicht untersuchte Nebengebäude (Scheunen, Werkstätten, wohl auch Wohnhäuser) angebaut. (siehe Bild ganz unten)

Quer zur Hauptachse der pars urbana liegt das zu Repräsentations- und Wohnzwecken genutzte Herrenhaus mit einem großzügigen Empfangssaal. 

Das Herrenhaus war der Mitteltrakt eines dreiflügeligen Gebäudekomplexes. In die beiden flankierenden Flügelbauten waren ein Bade- und Küchentrakt (links des Herrenhauses) und ein Wohn- und Wirtschaftstrakt (auf der rechten Seite) untergebracht. 

Foto: Tobias Nettekoven Fotografie

Zwischen den Seitenflügeln befindet sich heute ein von einer Holzbrücke überspanntes, fast 30 m langes Bassin mit Brunnenskulpturen. Aus dem großzügigen Freiraum innerhalb der pars urbana lässt sich schließen, dass die Villa über eine ausgedehnte Gartenanlage verfügt haben muss. 

Der »Archäologiepark Römische Villa Borg« ist durch die Rekonstruktionen und die gärtnerische Gestaltung im römischen Stil zu einem Freilichtmuseum der besonderen Art geworden. 

Das archäologische Museum im Herrenhaus zeigt vorwiegend originale Exponate. Diese werden ergänzt von nach antiken Vorlagen rekonstruierten Möbeln. Die Anlage zeigt die römische Alltagswelt und spiegelt den Zeitgeist privilegierter Römer wider.

In einem Teil des Wohn- und Wirtschaftstrakts werden Informationen museal und multimedial präsentiert. Es wird nicht nur keltische und römische Geschichte des Saar-Mosel-Raumes vermittelt, sondern der Besucher kann Kultur und Leben der römischen Kaiserzeit mit allen Sinnen aufnehmen. 

Foto: Tobias Nettekoven Fotografie

Die Räume sind nach Grabungsbefunden ausgemalt und mit Mobiliar nach antiken Vorlagen ausgestattet. So kann man sich hineinversetzen in die damalige Zeit. Vieles kann man selbst ausprobieren und unmittelbar erfahren. Der gegenüberliegende Gebäudetrakt beherbergt neben dem Villenbad auch eine Taverne. In ihr werden römische Spezialitäten serviert. In der funktionsfähig rekonstruierten »Römische Küche« finden unter anderem in regelmäßigen Abständen Backvorführungen statt. 

Das Angebot der Villa Borg reicht von der Möglichkeit, nach antiken Rezepten in der römischen Küche zu kochen, römische Gerichte zu essen (taverne-borg.de ) bis hin zu geführten Besichtigungen und Erlebnisführungen.

Darüber hinaus wird die Villa auch für Tagungen und Kongresse sowie als Schauplatz der »Römertage« genutzt, an denen Legionäre, Gladiatoren, Händler und Handwerker einmal im Jahr die Besucher in die Welt der Antike zurückversetzen. 

 

Rekonstruktion Villa Borg, © archaeoflug.de

                   

Quellen: www.villa-borg.de; archaeoflug.de; tobias-nettekoven.de; taverne-borg.de